Verstaubt? Von wegen.

Schiller neu entdeckt

Was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler einen der bedeutendsten deutschen Dichter und sein Werk mit ihren eigenen Augen betrachten?

Das zeigten die engagierten Teilnehmer des „Schiller-Abends“  am 16. Juli auf der Bühne.

Organisiert wurde der Abend von einer Gruppe Elftklässlerinnen (Loucia Lingerfelt, Stella Omert, Maria Schmitt, Emma Schnürch, Julia Schön, Jule Steinbach, alle Klasse 11b). Im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit Schillers bürgerlichem Trauerspiel „Kabale und Liebe“ im Deutschunterricht wurden Liedtexte aus der Perspektive der verschiedenen Figuren geschrieben und dann mit Hilfe von KI vertont. Ein dabei entstandener Rap war die Inspiration für einen künstlerischen, kurzweiligen Abend, an dem Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen zeigten, wie Schiller und seine Werke heute gesehen werden können: Mit Gesang, Tanz, Vortrag, Poetry Slam und Schauspiel wurde scheinbar Verstaubtes auf vielfältige Weise in die Lebensrealität der Teilnehmenden geholt.

Der Abend begann mit der Klasse 7c, die unter der Leitung von Ali Gürkan Schillers Ballade „Der Handschuh“ sogar zweimal inszenierten: Einmal als Original und einmal als eine von den Schülerinnen und Schülern umgeschriebene Version in Jugendsprache. Damit brachten sie nicht nur das junge Publikum zum Schmunzeln. Suna Müller aus der Klasse 11 a sorgte für einen ernsteren Ton, indem sie sich in ihrem Poetry Slam mit Schillers Konzept von Kunst und Freiheit auseinandersetzte und dabei vergleichend einen kritischen Blick auf das Verhalten der heutigen Jugend warf. Noch mehr Hintergrundwissen über Schiller und sein Leben vermittelten Laura Fingler und Antonia Härder, beide aus der Klasse 11a, in ihrem selbst geschriebenen Dialog zweier fiktiver Bürgerinnen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Unterhaltsam plauderten die zwei in ihrer Rolle als zwei Zeitgenossinnen Schillers über die Verquickung von Biografie und Werk und arbeiteten dadurch heraus, dass Schillers Fokus auf den Freiheitsbegriff in seinem eigenen Leben begründet ist.

Um Freiheit geht es auch in der Ballade „Die Bürgschaft“, die Ninelle Herbert aus der Klasse 6b als Gewinnerin des Vorlesewettbewerbs vortrug. Die Geschichte zweier Freunde, die einander treu und loyal ergeben sind, wurde so schön und lebendig vorgetragen, dass die Geschichte tatsächlich zum Leben erweckt wurde: Das Publikum „fühlt[e] ein menschliches Rühren“, wie es in dem Text am Ende heißt.

Diese Rührung wurde durch Hermine Büttners (Klasse 10c) Gesang noch intensiviert: Schillers Gedicht „Hoffnung“, vertont von Franz Schubert, zeigte in seiner musikalischen Version, wie ein sprachliches Kunstwerk verwandelt werden kann. Begleitet wurde die Schülerin von Matthias Eichele am Klavier. Beide verzauberten das Publikum.

Schiller inspirierte nicht nur Komponisten, sondern auch junge Künstler, wie die Präsentation des Leistungsfaches Kunst bewies: Die Teilnehmenden hatten sich teils lustig, teils sehr klug und kreativ mit einem Schillerportrait auseinandergesetzt.

Als vorletzten Programmpunkt überzeugte das Unterstufentheater unter der Leitung von Judith Winkelbach, denn die Kinder stellten zentrale Szenen aus „Wilhelm Tell“ anschaulich auf die Bühne und zeigten eindringlich, dass Freiheit auch in diesem Drama die zentrale Rolle spielt. Mit einem „Banger“ endete der so vielfältige Schiller-Abend: Ninelle Herbert und Liv Schrameyer (Klasse 6b) brachten das Publikum mit ihrer selbst  erdachten Choreografie zu dem Schiller-Rap, geschrieben von Loucia Lingerfelt und Stella Omert (Klasse 11b), zum Staunen und machten mehr als deutlich, dass Schiller eben alles andere als verstaubt und langweilig ist. Letzteres bewiesen auch Julia Schön und Stella Omert, die unterhaltsam durch den Abend führten. Perfekt in Szene gesetzt wurde das Programm von Amelie Tapken und Sophia Podda ( beide Klasse 10a) an der Technik.

Insgesamt zeigten alle Teilnehmenden, wie schön ein Programm sein kann, das die verschiedenen Künste aufgreift und die Talente unserer Schüler und Schülerinnen so eindrucksvoll präsentiert – vielleicht gibt es ja bald eine Wiederholung des Konzepts.

Text: Christine Maier-Fürsich

Bild: Pixabay, Loucia Lingerfelt

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