Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs besuchte am 26.02.2026 das Rhön-Gymnasium

Im Jahre 2003 kam Helmut Müller-Enbergs zum ersten Mal zu einem Vortrag ans Rhön-Gymnasium auf Initiative von StD i. R. Siegfried Voll. Als einer der bundesweit bekannten Experten aus der Abteilung Bildung und Forschung der Gauck-Behörde (Bundesbeauftragter für die Stasiunterlagen) referierte er damals über sein Forschungsgebiet, das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit der DDR, kurz Stasi genannt. Mit wenigen Ausnahmen in der Coronazeit wurde daraus eine jährlich wiederkehrende Institution am Rhön-Gymnasium. 

Der Unterschied zwischen einem Geheimdienst einer Diktatur und einem Nachrichtendienst in einem demokratischen Land mit der Vorgeschichte des Nationalsozialismus wird den Schülern der oberen Jahrgangsstufen auch 2006 mit vielen Beispielen nähergebracht. Müller-Enbergs verfügt inzwischen auch über die Innenansicht des bundesdeutschen Verfassungsschutzes. Nach seiner Zeit in der Gauck-Behörde arbeitet HME bis heute beim Verfassungsschutz. Für sechs Jahre war er Leiter der Spionageabwehr des Verfassungsschutzes des Landes Berlin. Sein früherer Chef, der spätere Bundespräsident Joachim Gauck, bezeichnete sich selbst als Demokratielehrer. Dies trifft auch auf Müller-Enbergs zu.

So berichtete er von dem 2019 begangenen Mord im Kleinen Tiergarten in Berlin-Moabit. Schüler konnten den Täter mit Handys fotografieren, was zu seiner raschen Festnahme führte. Der in Deutschland zu lebenslänglicher Haft verurteilte Täter wurde 2024 im Rahmen eines Gefangenenaustausches nach Russland überstellt. Auch die Einflussnahme der Stasi bis tief in das Privatleben der Menschen illustrierte er mit einem äußerst ungewöhnlichen Fall. Aus der Sicht der SED „unbotmäßige“ DDR-Bürger, die z. B. einen Ausreiseantrag stellten, wurden mit Kündigung ihrer Arbeitsstelle, Überwachung oder gar Haft belegt. Als ein für die DDR wichtiger Mann einen Antrag auf Übersiedlung nach Westdeutschland stellte, wurde sogar Stasi-Minister Erich Mielke, der von 1957 bis zum Zusammenbruch der DDR 1989 amtierte, eingeschaltet.

Der Antragsteller war wohl unersetzbar, so dass man ihn nicht vergraulen oder gar bestrafen konnte. Also wurden die Gründe für seinen Ausreisewunsch gesucht. Man ermittelte, dass er Probleme mit seiner Ehefrau hatte. Über Monate suchte die Stasi eine passende Frau mit Stasi-Anbindung, die seinen Wünschen optisch und ideell entsprach und plante das erste Zusammentreffen in allen Einzelheiten. Der erste Blickkontakt sollte zünden. Das gelang und wenige Wochen später war die Ehefrau samt Kindern aus dem luxuriösen Anwesen aus- und die neue Liebe eingezogen. Bis zum Tod nach der Wende hat die Frau im Dienst der Stasi sich ihrem Mann nicht offenbart. 

Auch hatte die Stasi heimlich tausende Geruchsproben von Oppositionellen gesammelt. So wurden zum Beispiel Personen in ein Amt vorgeladen, auf einen präparierten Stuhl gesetzt, dessen vorher sterilen Stoff man danach luftdicht in Gläsern aufbewahrte.

Das gesamte Aktenmaterial der Stasi umfasst 111 Kilometer Regallänge.

Auch im Jahr 2027 möchte die Schule wieder einen Vortrag von Helmut Müller-Enbergs anbieten. Dabei unterstützt wie immer der Verein der Freunde des Rhön-Gymnasiums.

StD i. R. Hartmut Brunner

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